Japan 01.05.2018

Japan – das Land der aufgehenden Sonne …

… Mit freudiger Erwartung im Gepäck und der Frage, ob das Land wirklich wie kein anderes Tradition und Moderne so gut miteinander verbindet, machen wir uns auf den Weg von Frankfurt nach Japan. Am Flughafen in Osaka angekommen, lösen wir zunächst unseren „Japan Rail Pass“, der uns für eine Woche fast das gesamte Zugnetz des Landes nutzen lässt. Meiner Meinung nach, die einfachste und bequemste Art, Japan zu bereisen (Linksverkehr ist nämlich nicht so ganz meins). Bei der ersten Erkundungstour in Osaka wird man zuerst von den sich durch die Straßen und U-Bahnhöfe schiebenden Menschenmassen überwältigt. Doch nachdem wir uns auch ins Getümmel gestürzt haben, fühlen wir uns unterwegs nach Dotonbori schon leicht wie „Einheimische“. Am gleichnamigen Fluss gelegen, blinken und strahlen die riesigen Leuchtreklamen um die Wette. Ein Farbschauspiel der etwas anderen Art!

Am nächsten Tag steht ein komplettes Kontrastprogramm auf dem Plan – Koyasan. Eine kleine Stadt mitten in den Bergen der Präfektur Wakayama, die als Zentrum des Shingon Buddhismus gilt. Wir checken in einem der vielen Tempel ein und erhalten eine kurze Einführung in den Ablauf und Alltag der Mönche. Da um 21 Uhr die Tore geschlossen werden, machen wir uns auf, die Tempelanlage im Ortskern zu erkunden. Die große Pagode erstrahlt in kräftigem Orange zwischen den weiteren Tempeln. Genauso vielfältig wie die Tempel und Pagoden gestaltet sich das Abendessen in unserer Unterkunft. Auf dem Boden sitzend, bekommen wir allerlei Schälchen mit liebevoll zubereiteten typischen Leckereien serviert. Wer Lust hat, kann sich danach in einem „Onsen“, einer heißen Quelle entspannen, bevor es in die hergerichteten Futonbetten geht.

Nach einem frühen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Hiroshima. Bekannt durch den Abwurf der Atombombe am 6. August 1945 sind wir gespannt, wie die Stadt mit ihrer Geschichte umgeht. Wir steigen aus der Straßenbahn und stehen direkt vor dem „A Bomb Dome“, der eindrücklich die Zerstörung deutlich macht und als Mahnmal gilt. Neben dem Friedensmuseum berührt uns das Kinderfriedensdenkmal zu Ehren des Mädchen Sadako, das in der Hoffnung die durch die radioaktive Strahlung ausgelöste Leukämie zu besiegen, über 1000 Papierkraniche faltete und seitdem das Tier als Symbol für Frieden und gegen Atombomben steht. Die umliegenden Glaskästen sind voll mit gefalteten Kranichen, die von Kindern aus aller Welt nach Hiroshima gesandt werden. Unsere beiden Kraniche aus dem Hotel finden dann dort schließlich auch ihren Platz. Vor dem Verlassen des Geländes läuten wir noch an der großen und schweren Friedensglocke. Wir wissen nicht, ob es vielleicht etwas zu laut war, denn ein Mann aus Hiroshima sprach uns in gutem Englisch an und fragte interessiert, woher wir kämen. Er verabschiedet sich schließlich mit Dankesworten über unseren Besuch und man sieht, dass die Geschichte teilweise wohl noch schwer auf der Stadt zu lasten scheint. Dann ist es ja doch gut gewesen, die Friedensglocke so laut zu läuten… Bei strahlendem Sonnenschein geht es weiter mit der Fähre auf die heilige Insel Miyajima, die in Japan zu den drei schönsten Landschaften zählt. Schon bei der Anfahrt sehen wir das berühmte orange leuchtende symbolische Eingangstor zum Schrein. Das Besondere an diesem „Torii“ ist, dass es bei Flut nur vom Ufer aus betrachtet werden kann und es auf dem Wasser zu schwimmen scheint. Wir hatten jedoch Glück und konnten bei Ebbe auf dem Sandstrand direkt zum Torii spazieren. Auf der Insel lebt zahmes Wild, das sich zwischen den Besuchern frei bewegt. Wir lasen die Warnung, dass die Tiere Stoff und Papier auf ihrem Speiseplan stehen haben und prompt hatte ein Tier den halben Inselplan in seinem Maul und kaute genüsslich darauf herum. Ja dann guten Appetit!

Ich persönlich war richtig gespannt auf die nächste Station der Reise – die frühere Hauptstadt Kyoto. Da sie im Zweiten Weltkrieg von Bombardierungen verschont geblieben ist, besitzt die Stadt mit ihren unzähligen Schreinen und Tempeln ihren ganz eigenen Charme. Das Gion Viertel bildet das Zentrum der Geisha Kultur und wir sind erstaunt, wie viele diesen besonderen Beruf ausüben. Von einem Einheimischen hören wir jedoch, dass die Zahl der Geishas zurück geht und so merken wir schnell, dass viele der vermeintlichen Geishas nur Touristen mit ausgeliehenem Kimono sind. Wir halten unsere Augen offen und entdecken doch noch einige echte Geishas, die an uns vorbeitrippeln. Das Glück ist mit uns und wir bekommen in Kyoto die ersten Kirschblüten zu sehen. Bei voller Pracht muss die Stadt noch schöner wirken… Den Abschluss in Kyoto bildet der Besuch des bekannten Fushimi Inari Schreins, bevor es mit dem durchaus komfortablen und extrem pünktlichen „Shinkansen“-Schnellzug in die japanische Hauptstadt geht. Tausende von aneinander gereihten orange schwarzen Torii Bögen führen die Besucher auf dem Weg durch den Wald den Hügel hinauf. Zwischen all den Menschen gelingt es uns für kurze Zeit, auf den von den Bögen überdachten Pfaden alleine zu sein und die Schönheit zu genießen.

Tokio – eine Stadt der Superlative. Traditionelle Viertel, ruhige Parks, leuchtende Neonlichter, Businessleute im Anzug und schrill gekleidete Harajuku Girls prägen das Bild der Stadt. Das gleichnamige Viertel ist besonders bei jungen Japanern beliebt, die sich durch die Einkaufsstraße mit den vielen und teilweise kuriosen Geschäften schieben. Auch wir erliegen dem Shoppingwahn, so dass unsere Koffer am Ende einige Kilos mehr auf die Waage bringen. Ein ganz anderes Bild bietet sich in unmittelbarer Nähe der Einkaufsmeile. Die große Parkanlage rund um den Meiji Schrein, dem früheren Kaiser („meiji tenno“) und seiner Frau gewidmet, lässt Einen das geschäftige Treiben rund herum vergessen. Weiter geht es zum Shibuya Bahnhof, wo wir der Statue des Hundes „Hachiko“ einen Besuch abstatten. Die Geschichte des Hundes, der nach dem Tod seines Herrchens, täglich auf dessen Rückkehr am Bahnhof gewartet hat und deshalb als Symbol für Treue gilt, wurde in ganz Japan bekannt und auch verfilmt. Ebenfalls direkt am Bahnhof befindet sich die berühmte Kreuzung, an der zu Stoßzeiten mehr als 15.000 Menschen bei einer Grünphase die Straße überqueren. Wir lassen uns ein paar Mal mit der Menschenmasse über die Kreuzung treiben und merken schnell, dass wir nicht die einzigen sind, die für ein paar Sekunden mitten auf der Straße zwischen all den bunten Leuchtreklamen stehen bleiben, um Erinnerungsfotos zu schießen.

Unser Tagesausflug von Tokio zum Fuji Vulkan ist, wie wir leider feststellen mussten, sehr vom Wetter abhängig. Zu Beginn der Fahrt sah alles noch ganz gut aus und je höher wir kamen, desto mehr Schnee lag über der Landschaft, der in der Sonne funkelte. Während des Mittagessens konnten wir einen Blick auf den Berg erhaschen, da ihn die Wolken freigaben. Wir waren guten Mutes, dass es noch einige solcher Momente geben würde. Doch weit gefehlt... Schon während der Fährfahrt über den Ashi See zur Seilbahnstation, die uns zu einem Aussichtspunkt bringen sollte, zogen dichte Regenwolken und Wind auf. Nach einer kurzen Fahrt mit der Seilbahn wurden wir auf dem Berg beinahe vom Wind weg geweht und alles, was wir sahen, waren geisterhafte Gestalten, die sich durch den Nebel fortbewegten. Die Rückfahrt war auch ein kleines Abenteuer, jedoch kamen wir wohlbehalten wieder unten an. Trotz des nur kurzen Blicks auf den Fuji konnten wir uns vorstellen, warum dieser nahezu perfekte kegelförmige Berg eine tiefe spirituelle Bedeutung in der Kultur der Japaner inne hat.

Nach all den Tagen mit unzähligen neuen Eindrücken und der Erkenntnis, dass hier wirklich Tradition und Moderne zusammen das Leben bestimmen, begeben wir uns zum Flughafen in Tokio und treten schweren Herzens die Heimreise an. Während wir auf das Boarding warten, geht langsam die Sonne auf und wir beschließen, nicht das letzte Mal das „Land der aufgehenden Sonne“ besucht zu haben.

Eure Nina
Abenteuer-Spürnase bei moja TRAVEL

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