Costa Rica 08.05.2021

Auszeit vom Winter und von Coronabeschränkungen - Wandern in Costa Rica

Reisen in Zeiten von Corona? Ich, mittlerweile kein Teen mehr, für den Corona allenfalls ein wenig Halsweh bedeutet, habe mich nur deshalb getraut zu reisen, weil ich wenige Wochen vor den Osterferien die erste Impfung erhalten habe. Die Reise hat nur eine Woche gedauert, da ich eine weitere knappe Woche für Quarantäne einrechnen musste und nicht unbegrenzt Zeit habe.

Auf der Fahrt zum Flughafen haben mich massive Zweifel gedrückt, ob ich nicht viel zu leichtsinnig sei. Diese Anspannung hat eigentlich bis zum Heimflug angedauert – leider, weil zumindest auf dieser Reise völlig unbegründet.

Das Procedere im Flughafen in Zürich war eigentlich wie immer, das Flugzeug war voll. Die Einreise in Costa Rica war problemlos. Der erste Abend in San Jose, einer nicht sonderlich attraktiven Stadt, war schon deswegen sensationell, weil ich nach dem langen Winter in Deutschland die milden Temperaturen genossen habe.

Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter zur Cordillera Talamanca. Schon der Name der Straße – Panamericana – war eine Verheißung. Die Strecke steigt nach San Jose über viele Kilometer an und erreicht mit einer Höhe von deutlich über 3.000 Metern den höchsten Punkt auf dem nordamerikanischen Kontinent. Anschließend ging es steil herunter nach San Isidor, einer wunderschön gelegenen und blumenreichen Stadt (vielleicht eine Visite im nächsten Urlaub?).

Ausgangspunkt für meine Wanderung war ein kleiner Weiler nahe San Gerado. Ich habe in einer Pension mit Familienanschluss genächtigt. Zunächst war ich ein wenig skeptisch ob so viel Nähe und Intimität. Tatsächlich übertraf der Aufenthalt jegliche Erwartung. Ich wurde so herzlich wie noch nie auf einer meiner vielen Reisen empfangen. Das Essen war sensationell, die Gastgeber ausgesprochen nett und die Lage des Hauses mitsamt dem wunderschönen Garten paradiesisch.

Am nächsten Morgen ging es zeitig los. Ich wollte ursprünglich den Chirripo besteigen, habe so kurzfristig jedoch kein Permit bekommen und bin dann auf einen Nachbargipfel, den Cerro Uran ausgewichen, der mit 3.666 Metern Höhe nur wenig niedriger ist. Der Führer war – nicht wie von den Alpen gewöhnt, ein bärtiges Nordwandgesicht, sondern eine charmante Studentin. Deutlich schöner, aber genauso fit wie ihre männlichen Kollegen. Hätten wir was vergessen, wäre meine Führerin die 1.800 HM (zzgl. Gegenanstiege) vermutlich, ohne mit der Wimper zu zucken noch mal ins Tal gerannt und wieder aufgestiegen – ich bestimmt nicht. Oben Dauerregen, Nebel, Sturm und Kälte. Das war wie in den Alpen. Über die Nacht möchte ich nicht reden. Widerlich war es, am nächsten Morgen die klamme Kleidung überzuziehen. Das Wetter war unverändert, aber es waren nur noch rund 400 HM zum Gipfel. Die Gipfelrast ist wetterbedingt kurz ausgefallen und dann ging es – unterbrochen von mehreren Gegenanstiegen – lange, lange, lange abwärts. Mit jedem Meter wurde es wärmer und auf halber Höhe kam die Sonne heraus und mit jedem Abstiegsmeter wurden die Zufriedenheit und der Bierdurst größer.

Am gleichen Tag ging es weiter nach Quepos am Pazifik. Schock - nicht nur wegen dem krassen Temperaturunterschied, sondern auch wegen dem Trubel nach der Stille der Berge. Ich bin am vielleicht belebtesten Wochenende des Jahres eingetroffen, nämlich am Osterwochenende, das die Einheimischen ebenso nutzen wie wir Deutschen für einen Ausflug dorthin, wo es schön ist. Und schön ist Manuel Antonio einige Kilometer südlich von Quepos. Am nächsten Tag, mittlerweile ausgeruht und ausgeschlafen, hat mir das quirlige Leben schon deutlich besser gefallen und als nach Ostern wieder Ruhe eingekehrt ist, fand ich es beinahe schade.

Das Hotel war sehr angenehm, sauber und das Personal freundlich. Besondere Freude hatte ich an den Affen, die morgens über die Elektroleitungen spazierten und an dem großen Leguan, der in einem Rohr direkt vor meinem Zimmer hauste. Eine ruhige und friedliche Eidechse im XXL-Format.

Am letzten Urlaubstag habe ich endlich den Nationalpark Manuel Antonio besucht, dessen Haupteingang nur wenige Hundert Meter von meinem Hotel entfernt lag. Der Dschungel und die Affen haben mich weniger beeindruckt – das habe ich schon auf der Wanderung zur Genüge gesehen. Hin und weg aber war ich von den Traumstränden, die man nur mit wenigen anderen Gästen teilen musste. Die Lobpreisungen von Touristen, mit denen ich gesprochen hatte, waren nicht übertrieben. Gleichfalls zutreffend waren übrigens die Warnungen vor diebischen Affen.

Und dann war die Woche vorbei und es ging zurück. Vielleicht mein schönster Urlaub überhaupt, weil ich mit Beklemmung losgereist bin, der Urlaub dann aber total entspannt war - Pura Vida heißt es nicht ohne Grund in Costa Rica.


Thomas Ebel