Nepal 30.05.2019

Im Tal der Weissen Riesen हिमालय

Vom 28. März bis 13. April reisten Andre, Richard, Charlotte und Susanne mit Moja Travel nach Nepal, um in der mythischen Welt des Himalaya für eine kurze Zeit Heimat zu finden.

Der Mount Everest, in Nepal als Sagarmatha bekannt, beflügelt die Phantasie eines jeden. Als Dach der Welt zieht er die Menschheit magisch an. Alle kennen ihn, und immer mehr folgen der Sirene in das Tal der Weissen Riesen, um ihn einmal zu Lebzeiten gesehen zu haben. So auch wir.

Was haben wir entdeckt? Zunächst einmal stellt man fest, dass der Everest Teil eines magischen Ganzen ist. Nicht der ‘eine’ Berg ist es, der betört, sondern ein grosses Reich der Schönheit. Der Everest ist nicht der Riese, der einsam in einer unspektakulären Landschaft auf uns wartet. Er ist nicht der Ararat, der Montblanc, der Kaukasus, der Felsen von Gibraltar. Hier gibt es eine unermessliche Fülle von anderen Giganten, von Gebirgen, Felsen, Schnee und Landschaften, und man muss das Auge erst schulen, um ihn von all den anderen überhaupt unterscheiden zu koennen. Der Everest ist ein diskreter Berg, ist Teil einer riesigen Bergfamilie, die sich über 3000 km von Pakistan bis Myanmar und bis zu 350 km in die Breite ausgebreitet hat. Einen ersten Eindruck dieses Bergreichtums kann man bereits auf dem Anflug auf Kathmandu erhaschen, wenn Wolken und steinerne Giganten kaum unterscheidbar am Horizont ineinander übergehen.

Unsere kleine Gruppe machte sich auf nach Lukla, dem kleinen Flughafen am Eingang des Tals der Riesen auf. Lukla ist dabei ein wahres Nadelöhr, ein ‚bottleneck‘, das ein beachtliches Risiko fuer den für die Region wirtschaftlich so bedeutsamen Tourismus darstellt: wir selbst mussten einen Tag in Kathmandu in einem staubigen und heissen Flughafen warten, bis uns mitgeteilt wurde, dass kein Flug mehr starten könnte, da die Wetterbedingungen in Lukla das unmöglich machten. In einem kleinen Bus machten wir uns deshalb nach Rameshab auf, wo wir am kommenden Morgen schliesslich erfolgreich nach Lukla fliegen konnten. Die kleinen Flugzeuge der Summit-Air und anderer Gesellschaften stehen dabei im Sommer nur den Touristen und ihren Führern zur Verfügung, während die Sherpa und andere Träger sich zu Fuss nach Lukla aufmachen müssen.

Hat man Lukla, das auf 2800 m einmal erreicht, so kann man den ersten Blick auf den Ort des Schnees schon erhaschen, ohne die Grossen, die Achttausender, schon sehen zu koennen. Wir machten uns auf nach Phakdeng, entlang einer in der Karte zum Everest Basecamp auszumachenden Yak Autobahn: eine Autobahn ist es deshalb, da der Everest Menschen aus der ganzen Welt anzieht, und nur die eine Richtung ihnen sinnvoll erscheint: hinauf hinauf zum Basecamp.

Wir folgen einem Flusstal, und werden Teil eines Auf- und Ab- von Karawanen aus Yaks, Ponies und Maultieren, von Trägern und Touristen, von Gasflaschen, Säcken, Taschen. Man spürt die Beseeltheit der Touristen: als würden sie zu einer heiligen Staette wandeln, nach Mekka oder Medina, strahlen sie alle, und nehmen die Mühen der stetig steigenden uneben-holprigen Wege mit Treppen und Stufen auf sich. Die Landschaft belohnt sie: blühende Kirschen und Magnolien, exotische Eindrücke der stets freundlichen Nepali, die Gastfreundschaft der unzähligen Teehäuser, das bunte Treiben in ruhigem Tempo: eine einzigartige Atmosphäre, die von Stupas, von Hängebrücken mit den bunten buddhistischen Fahnen geprägt ist. Wolken, Wind und Berge, Erde und Wasser sind eins an diesem Ort der Magie: auf französisch sagt man unübersetzbar‘ j’en ai plein les yeux‘: die Augen laufen über von den Eindrücken dieses Abenteuers.

Eine Autobahn ist es eben, weil sich alle auf der gleichen Strecke drängeln: hoch nach Namche Bazar, und dann für die meisten zum EBC, zum Everest Basecamp. An dieser Autobahn liegen die Teehäuser, die von Familien betrieben werden. Vor dem ‚Goldrausch‘ in Form des Tourismus lebten die Sherpa - das Volk der Berge - als ärmliche schlechtgekleidete Bauern oder kamen arbeitssuchend als Tagelöhner in die Hauptstadt oder die Tiefebene. Diese Zeit ist seit Jahrzehnten vorbei: die Sherpas haben sich ihre Berge ‚erbeitet‘, führen und begleiten die Abenteurerhungrigen, und zählen heute zu den eher wohlhabenderen Einwohnern Nepals. In zweiter Reihe hinter den Teehäusern, etwas abgelegener schon in den Bergen betreiben andere Sherpas Landwirtschaft und beliefern die erste Reihe der handelstreibenden Sherpa. Begibt man sich ausserhalb der Autobahn, so findet man verlassene und aufgegebene Wege einer anderen Zeit, den Nepali Bird, einen bunten Fasan, der auch die Landesflagge ziert, wilde Tiere und Voegel, und wunderbare Aussichten, die kaum einer kennt. So ging es Charlotte und mir, als wir aus der Not eines notwendigen Höhenkrankheitsbedingten zeitweisen Abstiegs eine Tugend machten, und auf eigene Faust die Nebenstrecken des Paradieses erkundigten. Zum Kungde auf 4250 m hinauf zog es uns, und wir trafen waehrend unserer Steigung von Phakding (2600) niemanden, ausser wilden Tieren. Kungde wird dabei heute nur noch von reichen Touristen oder Einheimischen per Helikopter angeflogen, für ein kurzes Frühstueck- und dann ab und zurück in die Hauptstadt.

Atemberaubend

Das Tal der weissen Riesen, die Gegend um den Everest, ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend: im direkten Sinne natürlich, denn ein paar Tage braucht der Körper, um sich an die Höhe zu gewöhnen : schon auf Lukla Höhe (2800 m) beträgt der Sauerstoffgehalt der Luft ja nur noch 70%, auf 5500 Metern beträgt er gerade einmal die Hälfte, und auf über 8000 Metern nur noch 32%. Der Körper bildet rote Blutkörperchen, was seine Zeit braucht. Man solle mit guter Akklimatisierung auf 3500 m Höhe vorsorgen. Schon ab 2800 m spüren die meisten erste Anzeichen der berüchtigten Höhenkrankheit, die sich durch Kopfschmerzen und Übelkeit ausdrückt, und, sollte sie anhalten, zu sofortiger Rückkehr auf niedrigere Sphären zwingt. Akklimatisierungstage sollten deshalb bei keiner Reise fehlen. In unserem Fall war der Aufstieg Phakdeng Namche Bazar (3400 m) und dann Khumjung (3800 m) zu schnell, und es ist deshalb zu raten, einen weiteren Tag in Namche oder schon vorher einzulegen, und durch Akklimatisierungstouren zu füllen.

Vom einfachen Leben und Dal Bhat

"Hot gas shower 500 Rupy" werben die Teehaeuser an der Pilgerstrecke zum Everest: Ab und zu goennt man sich eine Dusche: in einem einfachen Kabuff mit wenig entwickelter Hygiene erfreut man sich dann fuer kurze Zeit an einem heissen bis warmen Strahl im Decrescendo, oder auch crescendo.
Klopapier ist zwar nicht knapp, aber verhältnismässig teuer mit 200 Rupi pro Rolle. Die Kälte bleibt Thema und treibt den froh angekommenen Wanderer an den gusseisernen Ofen, der mit getrocknetem Yakdung und Reisern in den Abendstunden betrieben wird: ansonsten heisst es früh in den Schlafsack, Mütze auf den Kopf, und viele Stunden halb wach, half schlafend verbringen, bis der Trekk sich fortsetzt.
An Essen mangelt es niemals: freundliche Teehäuser laden zu üppigen Speisekarten, die Makkaroni und Pizza ebenso anbieten wie Kartoffeln, Reis und Eierspeisen. Dabei wird Frisches und Gemüse kleingeschrieben, und weicht einem recht kohlehydrathaltigen Speiseplan. Vor allem die Zitronen habe ich vermisst. Die Einheimischen selbst folgen der Devise "Dal Bhat power 24 hour": sie nehmen vor allem Reis und Linsen zu sich, und das scheint magische Kräfte zu geben: die genügsamen Sherpa tragen für einen Gewinn von ca. 50 Rupi pro Kilo bis zu 70 kg zum Basecamp, und das teils in Badelatschen oder ausgetragenen Turnschuhen.

Zurück vom Trekk freut man sich tagelang in Katmandhu am Luxus des Bades, der Dusche, des kostenlosen Klopapier, und des Schlafens ohne Mütze und Schlafsack.

Und zurück zuhause denkt man nur an eins : wann fahre ich das nächste Mal in den Himalaya?

Ein herzliches Dank an Moja Travel und den unermüdlichen Bergführern, Trägern, Reisebegleitern fuer diese einzigartige Zeit im Tal der weissen Riesen.


Susanne Nies & Familie