Tansania 19.10.2012

Tansania - einen lang gehegten Traum erfüllt

Der lange Aufstiegskampf hat sich gelohnt
Nach einem endlos erscheinenden Aufstieg endlich am Gipfel des Kilimandscharo angekommen © J. Weyer

September 2012, endlich war es soweit und ein lange gehegter Traum, die Besteigung des höchsten allein stehenden Berges der Welt, des höchsten Berges Afrikas, dem Kilimandscharo, stand bevor. Aus Erfahrungen in anderen Ländern in großen Höhen begann der Urlaub eigentlich schon einige Tage vor dem Flug nach Tanzania mit einer Vorakklimatisierung bei der MeAm AktiVital in Leipzig. Unter Atemmasken wurden hier in mehreren Sitzungen Höhen zwischen 4000 und 6000 m simuliert, was dem Körper den erforderlichen Reiz gibt, sich darauf einzustellen. Ärzte empfehlen eigentlich nicht mehr als 200 ... 300 Höhenmeter pro Tag aufzusteigen. Bei den verfügbaren Angeboten und den Kosten in diesen Nationalparks ist das eigentlich nicht möglich. Aus diesem Grunde ist eine Vorakklimatisierung besonders wichtig, um die Wahrscheinlichkeit eines gelungenen und vor allem erträglichen Aufstiegs deutlich zu erhöhen.

Als zweite Maßnahme einer Vorakklimatisierung haben wir eine 4 Tagestour auf den Mt. Meru (knapp 4600 m) der Kilimandscharo Besteigung vorangestellt. Auch das hat sich bewährt, abgesehen von der wundervollen Landschaft und dem Blick vom Gipfel des Mt. Meru auf den Kilimandscharo. Als Vorgeschmack sozusagen. Wie in den Vorabbeschreibungen angegeben, führt die Route an Büffelherden vorbei, durch den Regenwald in immer kargere Zonen bis zum nackten Felsgipfel. Im unteren Teil begleitet ein Rancher, z.T. mit „Kalaschnikow" oder einem einfachen Gewehr die Gruppe. Was zunächst übertrieben anmutet, ist der Sicherheit geschuldet, denn wenn auf dem weiteren Weg auf den Berg ein Büffel den Pfad entlangläuft und beim Anblick von Besuchern Panik bekommt, kann er schon blind vor Angst oder Wut auf die Gruppe zu rennen. Auch wir sichteten unerwartet einen Büffel in einem Abschnitt, wo wir überhaupt nicht damit gerechnet hatten. Wenn man sich richtig und ruhig verhält, überhaupt kein Problem. Aber gerade dafür ist ja der Bergführer da, der einen darauf hinweist.

Mit zunehmender Höhe merkt man, wie die Luft dünner wird. Kann man am Fuße des Berges noch eben mal 10 ... 20 Treppenstufen hochspringen, führt das in 3000 und 4000 dazu, dass man doch heftiger nach Luft schnappt. Zwischendurch hat immer wieder den Blick auf den Kilimandscharo, der aus den Wolken am Horizont herausschaut. Der Aufstieg auf den Gipfel beginnt um Mittemacht. Das Licht des Mondes würde ausreichen, wenn da nicht Querrillen auf den Wegen sind (zur Wasserabfuhr bei Regen) und Geröllhalden und Steilstufen. Hier ist es letztlich besser und unerlässlich eine Lampe mit zuhaben. Der Anblick der aufgehenden Sonne über den Wolken entschädigt einen für die Mühen des Aufstiegs. Langsam wird es nun auch wieder wärmer. Die Temperaturen waren schon im Lager nach Sonnenuntergang unter den Gefrierpunkt gefallen. Entsprechend kalt ist es erst recht nochmals 1600 m höher bei teilweise sehr kräftigen Bergwinden in der Nacht und den Morgenstunden. Winddichte Kleidung und warme Wäsche ist ein Muss. Vorteilhaft wäre ebenfalls ein Staubschutz. Wie auch später am Kilimandscharo geht man auf den Pfaden auf Vulkanasche oder zumindest zu Staub verwittertem Gestein. Dieser dringt überall ein, bei jedem Schritt steht man in einer Staubwolke. Das wird erst im oberen Teil auf dem Fels und im unteren Teil mit zunehmendem Bewuchs besser.

Um das Essen braucht man sich keine Sorgen zu machen, der Bergführer und der Koch sorgen für Frühstück, Mittag, Kaffee und Abendbrot. Immer reichlich und abwechslungsreich, vielleicht mal abgesehen vom Hirsebrei als „Vorspeise" zum eigentlichen Frühstück (meist getoastetes Weißbrot). Aber am Berg erwartet man nichts anderes, wer das nicht möchte, sollte in seinem 5-Sterne Hotel bleiben.

Mit den ersten Eindrücken der Besteigung des Mt. Meru und der ersten subjektiven Bestätigung, dass die Vorakklimatisierung hilfreich war, konnte nun die 6 Tagestour auf den Kilimandscharo beginnen. Die Machame Route ist eine der schönsten Routen. Der Aufstieg durch die verschiedenen Vegetationszonen und die Aussicht vom Berg sind einfach schön. Für den zahlenden Touristen versuchen die Bergführer mit ihren Trupps an Koch und Trägem einem die Tour so angenehm wie möglich zu machen. Der Vorteil einer Privattour ist zweifelsfrei, dass man sich die Zeit so einteilen kann, wie man will (natürlich im Rahmen der Vorgaben für den Tag), sei es zum Fotografieren, der Morgentoilette, dem Essen oder einfach dem Genießen der Natur oder der Beobachtung von Tieren. In größeren Gruppen ist doch immer mehr Rücksichtnahme nötig und Tiere werden durch Gespräche und die Eigendynamik der Gruppe doch eher verscheucht.

Nach anstrengenden Aufstiegen, z.B. der Breakfast-Wall, die ihren Namen deshalb bekommen hat, weil sie in der Regel nach dem Frühstück durchstiegen wird, oder malerischen Abschnitten mit Senezien folgt schließlich der Gipfeltag. Am späten Nachmittag ist man im Basislager auf 4600 Höhe angekommen. Nach dem Abendbrot zum Sonnenuntergang kann man sich noch ca. 3 Stündchen hinlegen, denn schon gegen 23:00 Uhr weckt einen der Bergführer zu einem warmen Tee und ein paar Keksen. Um Mittemacht geht es los. Nach einem kurzen steilen Stück folgen ein mäßiger Anstieg und schließlich ein schier endlos scheinender zickzackartiger Aufstieg über einen steilen Schotterhang, so auch in den Reiseunterlagen beschrieben. In der Nacht gefroren ist die Trittsicherheit recht gut, allerdings sieht man erst später im Tageslicht beim Abstieg wie steil und matschig der Hang wirklich ist. „Die Höhe raubt einem den letzten Atem und die letzte Kraft... eiserner Wille ist gefragt, um die letzten 150 Meter zum Uhuru Peak zu bewältigen“. An diese Zeilen aus den Reiseunterlagen erinnert man sich plötzlich beim Aufstieg. Auch ein endloser Weg ist irgendwann zu Ende und immer wieder glaubt man schon viel höher zu sein. Nach zwei, drei Stunden glaubt man sich bereits in mindestens 5400 oder 5500 m. Wenn einem dann der Bergführer sagt, dass es erst vielleicht 5200 sind, wird einem bewusst, dass es nicht endlos ist, es scheint endlos endlos zu sein. Man setzt einen Fuß vor dem anderen, 10 ... 15 cm und kommt sich vor wie eine Schnecke. Ein nicht ganz so steiles Stück und man geht etwas schneller, um dann stehen bleiben zu müssen, um Luft zu holen. Endlich sieht man den Grat. Greifbar nahe, nur noch scheinbare 100 Höhenmeter, ein Viertelstündchen. Doch nach der Viertelstunde sieht der Abstand immer noch genauso aus. Die Bergführer fangen an, sich etwas zuzurufen. Laut schallt es zurück. Stella Point hört man immer wieder. Man geht weiter, weiter, immer weiter. Irgendwann geht die Sonne auf. Manche haben den Stella Point erreicht, andere sind noch davor. Das Erreichen des Stella Points auf dem Kraterrand des Kilimandscharo gilt als erfolgreiche Besteigung. Wer wirklich ganz oben gewesen sein will, kann die restlichen „paar Meter" bis zum Uhuru Peak noch „vorlaufen". Aber Entfernung und Höhe täuschen. Was nicht allzu weit entfernt auf beinah gleicher Höhe scheint, ist nochmals ein Aufstieg um weitere 150 Höhenmeter. Auch für uns war es klar, wenn, dann wollen wir ganz oben gewesen sein. Ein Foto vom Schild auf dem Gipfel ist natürlich ein Muss. Danach geht es wieder abwärts, am Basislager vorbei, weiter hinunter auf 3000 m. Ein langer und anstrengender Tag geht zu Ende.

Nach den Bergtouren ging es auf Safari in den Tarangire Nationalpark, den Ngorongoro Krater und Lake Manyara. Hier sieht man vom Jeep aus Horden von Tieren. Kaum vorstellbar, dass sich so riesige Herden von dem dürren, braun vertrockneten Gras ernähren können. Die grünen Inseln in der Nähe von Wasserstellen sind da gerade ein Paradies für die Tiere, gleichzeitig aber auch eines für ihre Jäger wie Löwen, die hier auf reiche Beute hoffen. Plötzlich stehen Elefanten neben der Piste, die man aus der Entfernung gar nicht gesehen hat. Wie kann man einen 7-Tonner mit Rüssel und großen Ohren übersehen? Dann Löwen - da, hinten! Gut, da sind Bäume, Büsche - wo sollen doch gleich die Löwen sein? Erst mit dem Blick durch das Fernglas sieht man eine Bewegung im Gras vor dem Busch. Und noch eine. Löwen mit Jungtieren. Und dann ein Dikdik, eine afrikanische Zwergantilope. Sie sieht eher ängstlich aus und verharrt fast regungslos hinter dem Busch. Zebras, Impalas und Gnus gibt es zu Tausenden. Warzenschweine laufen über den Weg, eine Blauracke fliegt zum nächsten Baum, ein Flusspferd hebt seinen Kopf aus dem Tümpel, steigt ans Ufer und macht sich mit einem Jungen auf den Weg zum Nachbartümpel. Ein seltener Anblick, da Flusspferde eine empfindliche Haut haben und daher meist nachts wandern und ansonsten ihre Haut im Wasser und Schlamm feucht halten.

Mit etwas Interesse entdeckt man immer wieder neue Tiere. Am Rastplatz dann der wohlverdiente Imbiss. Da kommt rechts eine Grünmehrkatze, ein kleines Äffchen. Am Nachbartisch will man ein Foto machen, hält den Apparat vor das Auge und will abdrücken. Ein schwerer Fehler! Nicht das Foto, sondern der kurze Augenblick der Unaufmerksamkeit. Denn genau in diesem Augenblick greift sich eine andere Meerkatze von hinten das Essen auf dem Tisch. So schnell, das man es kaum bemerkt. Ein generelles Problem bei Affen. Sie treten in Rudeln auf, man kann nicht gleichzeitig überall hinschauen, das Beste ist, alles zuzumachen - Fenster im Auto, Taschen, Reisverschlüsse, keine Taschen oder Pässe, Geld und Papiere ablegen, immer einstecken. Denn haben sie erst ihre Beute, bekommt man sie nicht so schnell wieder. Läuft man gar hinterher, scheint das eigentlich nicht essbare wertvoll zu sein, so etwas gibt man nicht wieder her. Aber auch die Adler sind nicht viel besser. Plötzlich stürzt ein Schatten in atemberaubender Geschwindigkeit aus dem Himmel herunter und fliegt dann auf den nächsten Baum. Was hat der Adler denn da in den Klauen? Ein Brötchen? Eine Hähnchenkeule? Meine Hähnchenkeule? Glücklicherweise nicht.

Auf dem Rückweg von den Pirschtouren besuchen wir noch ein Massai Dorf. Den Eintritt von 50 Dollar pro Gruppe zahlen wir gerne, auch wenn wir nur zu dritt sind. Wenn es den Massai hilft und z.B. für Bildung oder Lebensmittel ausgegeben wird, ist das Geld sinnvoll angelegt. Dafür wird ein (kurzer) Tanz gezeigt, der eher an eine leicht rhythmische Bewegung der Frauen auf der einen Seite und zuschauende Männer auf der anderen Seite erinnert. Ab und zu springt ein Mann hoch. Das ist dann auch schon der Tanz. Der Lehrer des Dorfes erklärt uns in drei Sätzen das Dorfleben, zeigt uns die Schule mit kleinen Kindern, die sofort die Herzen der Frauen ansprechen. Mit einem gewissen Nachdruck wird auf eine Spendenbox hingewiesen, an der sowieso jeder vorbei muss. Dann kurz in eine Wohnhütte (hier krabbelt doch was? OH - Insektenschutz vergessen) und dann fuhrt die zugewiesene Begleitung die Gruppe um einen großen Zaun, der mit Handwerksarbeiten - Armreifen, Ringen, Ketten - übervoll besetzt ist. Jeder Meter gehört einer anderen Familie - es muss viele Familien dort geben. Nun gut, einen kleinen Armreif aus Glasperlen, den man zu Hause für 1 Euro letztens seinen Kindern gekauft hat kann man ja mitnehmen, vor Ort ist es doch was anderes und man hat eine Erinnerung. Den Preis erfährt man allerdings erst nachher, wenn man alle (!) Ausstellungsstücke aller Familien angeschaut hat: 30 Dollar! Spätestens hier kommen doch etwas gemischte Gefühle in Bezug auf die Geschäftstätigkeiten auf.
Der Urlaub geht zu Ende, viele schöne Erinnerungen nimmt man mit nach Deutschland. Man erkennt wieder einmal, dass es uns trotz aller Probleme doch gut geht, verglichen mit dem täglichen Anstrengungen, die die Massai oder andere Afrikaner unternehmen müssen, um täglich Wasser und Nahrung für die Familie zu sichern. Die wunderbare Natur, fremde Tiere aus erster Nähe zu beobachten und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, hat sich gelohnt.

J. Weyer